Busen

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Der Weg führte mich an Watt und Meer vorbei und das Wasser war heute ganz grauschwarz-grünlich und die Wellen hoch, höher als sonst, und bald mußte die Ebbe einsetzen und die Wogen zum Ablaufen zwingen. Doch die See stampfte und brüllte, sie wollte nicht zurück. Sie wollte sich lieber mit aller Gewalt dem Weltenlauf entgegenstellen, als wie üblich ruhig und friedlich zu sein. Es war geradezu so, als wollte sie heute dem Watt das Tageslicht verwehren und lieber über die Küste treten und damit ihr begrenzendes Bett über die Ufer hinaus verlassen, als sich dem Spiel der Gezeiten wie sonst zu ergeben. Das Heulen und Pfeifen des Windes ergab zusammen mit dem Toben des Meeres einen Choral des Untergangs.

So ging ich langsam, bedächtigen Schrittes, weiter. Gerne hätte ich jetzt das Siegel aufgebrochen, um in der Urkunde zu lesen, was mein Gutsherr dem Probst so Wichtiges mitzuteilen hatte, dass er mich bei diesem Unwetter hinaus schickte, um zu Fuß nach Busen zu gelangen. Zu Fuß! Sonst konnte ich immer mit Pferd und Wagen losziehen. Aber heute? Nein, ausgerechnet heute musste ich zu Fuß losziehen.






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